Verbindungen zu Servern brechen ab, Freigaben sind zeitweise nicht erreichbar oder die Firewall blockiert Zugriffe, die gestern noch funktioniert haben? Hinter solchen Aussetzern stecken im Firmennetz überraschend oft temporäre IPv6-Adressen. Wir erklären, was es damit auf sich hat, wie Sie den Status prüfen und wann das Abschalten sinnvoll ist.
Was sind temporäre IPv6-Adressen?
Windows vergibt seinen Netzwerkkarten neben der festen IPv6-Adresse zusätzlich wechselnde Adressen, die sogenannten Privacy Extensions. Sie sollen verhindern, dass ein Gerät im Internet über lange Zeit an derselben Adresse wiedererkannt wird. Für den Surfalltag ist das sinnvoll.
Im Unternehmen kann es dagegen stören: Firewall-Regeln, Zugriffslisten auf Servern, Lizenzserver oder Monitoring-Systeme erwarten feste Adressen. Wechselt die Adresse eines Rechners, passt die Regel nicht mehr – und die Verbindung scheitert scheinbar zufällig.
Prüfen, ob temporäre IPv6-Adressen aktiv sind
- Öffnen Sie eine Eingabeaufforderung, am besten mit Administratorrechten.
- Geben Sie folgenden Befehl ein:
netsh interface ipv6 show privacy
Steht bei Use Temporary Addresses der Status enabled, verwendet der Rechner temporäre IPv6-Adressen. Mit ipconfig sehen Sie außerdem, ob neben der normalen IPv6-Adresse eine „Temporäre IPv6-Adresse“ aufgeführt ist.
Temporäre IPv6-Adressen deaktivieren
- Öffnen Sie eine Eingabeaufforderung als Administrator.
- Schalten Sie die zufällige Schnittstellenkennung ab:
netsh interface ipv6 set global randomizeidentifiers=disabled - Deaktivieren Sie die temporären Adressen:
netsh interface ipv6 set privacy state=disabled - Starten Sie den Computer neu.
Nach dem Neustart zeigt netsh interface ipv6 show privacy den Status disabled. Rückgängig machen lässt sich die Änderung jederzeit mit denselben Befehlen und dem Wert enabled.
Für wen sich das Abschalten lohnt
Sinnvoll ist der Schritt vor allem bei Arbeitsplätzen und Servern im Firmennetz, deren Adressen in Firewall-Regeln oder Freigaben hinterlegt sind. Auf Notebooks, die viel unterwegs im Internet arbeiten, sollten Sie die Privacy Extensions dagegen eingeschaltet lassen. Bei vielen Rechnern verteilt man die Einstellung am besten zentral per Gruppenrichtlinie statt Rechner für Rechner.
Netzwerkprobleme dauerhaft lösen
Nicht jeder Verbindungsabbruch liegt an IPv6. Wenn Sie unsicher sind, sehen wir uns Ihr Netzwerk gern an – per Fernwartung oder vor Ort. Wie wir Netzwerke aufbauen und betreuen, zeigen unsere Referenzprojekte. Hintergründe zu IPv6 unter Windows finden Sie in der Microsoft-Dokumentation.
Häufige Fragen
Schadet das Abschalten temporärer IPv6-Adressen?
Im Firmennetz in der Regel nicht. Sie verlieren lediglich die wechselnden Adressen, die beim Surfen im Internet die Wiedererkennung erschweren. Auf Notebooks, die viel unterwegs sind, sollten Sie die Funktion deshalb eingeschaltet lassen.
Muss ich den Rechner nach der Änderung neu starten?
Ja. Die Einstellungen greifen erst nach einem Neustart vollständig. Prüfen Sie anschließend mit netsh interface ipv6 show privacy, ob der Status auf disabled steht.
Sollte ich IPv6 ganz abschalten?
Nein. Microsoft rät davon ab, IPv6 komplett zu deaktivieren, weil Windows-Komponenten es voraussetzen. Deaktivieren Sie nur die temporären Adressen, wenn diese im Netzwerk tatsächlich Probleme verursachen.


